Buchrezension: Finger in der Wunde

 

In dem gelben Oval lest ihr "4. Auflage mit deutlichen, offenen Worten!" ähm JA, das kann ich bestätigen! 😀 Der Autor Dr. med. vet. Gerd Heuschmann rechnet mit dem Reitsport ab - ENDLICH. In diesem Blog-Post gebe ich einen kleinen Einblick in das Werk...

Zunächst ein kleiner Schwenk in mein Pferdeleben: Ich bin in eine Züchterfamilie geboren, mit 5 Jahren habe ich mein erstes Shetty bekommen und die Welt aus 1,05 Metern erkundet. Als meine Beine zu lang für das Shetty wurden, habe ich mit meinem Opa unter der Anleitung einer Bereiterin unsere gezogenen Remonten für die Holsteiner Stuten-Leistungsprüfung innerhalb von 2 Monaten "vorstellfertig" gemacht und ich habe damals wirklich gedacht, dass DAS normal sei. Es machen schließlich alle so! Heute sehe ich unser Vorgehen, welches unter anderem auch durch den Auflagen- und den Termindruck der Verbände geschuldet ist, sehr kritisch.

 

 

Je mehr ich zu mir selbst fand und meinen Gefühlen vertraute, desto einfühlsamer und sensibler wurde ich zu meinen Pferden...

 

 

Die letzten Tage habe ich mir das Buch "Finger in der Wunde - Was Reiter wissen müssen, damit ihr Pferd gesund bleibt" von Dr. med. vet. Gerd Heuschmann vorgenommen und mich endlich von einem Fachmann verstanden gefühlt. ENDLICH spricht jemand öffentlich DAS aus, was einige mitfühlende Pferdefreunde, wie ich empfinden! Durch meinen Job bekomme ich immer wieder mit, wie wenig die Besitzer über ihre Pferde wissen!!! Ich bin oft fassungslos über die *gedankenlose Ignoranz* !

 

Mit *Gedankenlos verstehe ich so viel wie: "Ich beschäftige mich nicht genau mit meinem Tier und eigne mir auch kein Wissen an!" und *Ignoranz, heißt bei mir so viel wie: "Mein Pferd handelt so, weil es mich "verarschen" will oder es hat keine Bedeutung, dass mein Pferd dieses oder jenes Verhalten zeigt!"   😕

 

 

Heutzutage ist uns der Weg geebnet, an u.a. hervorragendem und oft kostenfreien Wissen zu gelangen! Warum nutzt es kaum Jemand? Warum kritisieren und denken nur ganz ganz wenige das Szenario bis zum Ende durch?

 

Selbst wenn ich mir einen Hamster kaufe, MUSS ich ab diesem Zeitpunkt die Verantwortung für dieses kleine Wesen übernehmen. Ich bin verpflichtet, mir jegliches Wissen über die Gattung, Haltung, Ausrüstung, Bedürfnisse, den Auslauf, Ernährung, Hygiene, ärztliche Grundversorgung etc. anzueignen. Dieses Tierleben liegt nun in MEINEN Händen und DAS habe ich zu hüten, wie einen kostbaren Schatz. Egal ob Hamster, Hund, Pferd oder ein anderes Wesen.

 

Wie kann es sein, dass Pferde oft psychisch und physisch unter- oder überversorgt werden?

Finden wir Menschen einfach nie das richtige Maß? Sind wir so viel mit uns selbst beschäftigt, dass wir keine Kapazität mehr haben, uns mit unseren Tieren auseinander zu setzen? Oder ist es uns schlichtweg Egal?

 

Dr. Heuschmann kristallisiert im ersten Kapitel die von mir betitelten gedankenlosen Ignoranten, die für Rollkur, Haltungsprobleme und psychische Schäden verantwortlich sind. Es sind jene Personengruppen, die mit dem Reitsport zu tun haben: Reiter, Züchter, Turnierrichter, Publikum, Ausbilder und Verbände - und  allesamt werden mit deutlich, offenen Worten von ihm getadelt!

 

Ich bin ein ganz großer Freund von ehrlichen Worten, auch wenn es oft weh tut. Aber vor allem dann, wenn es dazu nützt, Individuen eine Stimme zu geben, die keine haben!

 

Um die Sicht des Lesers zu schärfen und ein durchlässiges, zufrieden von einem unnatürlich gezwungen gerittenen Pferd in Zukunft unterscheiden zu können, beschreibt er in Kapitel 3- 5 die anatomischen Grundlagen eines Pferdes, physiologische Ausbildungsmethoden und die jeweiligen tierärztlichen Aspekte dieser Methoden.

 

Einziger Kritikpunkt: Den Nebensatz des Buchtitels "Finger in der Wunde - Was Reiter wissen müssen, damit ihr Pferd gesund bleibt" finde ich für die Thematik viel zu mild und könnte für meinen Geschmack noch viel spektakulärer sein. So wie: "Dieses Buch ist ein MUSS und Pflichtlecktüre eines jeden Reiters und Pferdehalters!!!

 

 

Ich bin nach langer Studie der Meinung, dass jeder Halter eines Tieres vor dem Besitz einen Führerschein machen sollte! So viele Unfälle, Krankheiten und psychischen und physischen Misshandlungen entstehen durch Unwissenheit und Ignoranz.

 

Lasst uns gemeinsam dafür kämpfen, diese Unwissenheit ein Stück zu besiegen!

 

Die Dressur ist nicht mehr das, was sie einmal war, das sehe ich auf jedem Reitplatz. Die meisten Trainer pflanzen ein bestimmtes "Reitbild" in die Köpfe der Schüler, wie das Pferd auszusehen hat. Sie verraten aber nicht, was der Reiter tun muss, um das Pferd diesem Bild korrekt anzunähern. So entsteht bei dem reiter frust und das führt dazu, dass das Pferd in dieses Bild reingezwungen wird - Stichwort: Rollkur! Eine natürliche Anlehnung mit einem durchschwingenden Rücken wurd nicht gelehrt, sondern nur, dass das Pferd den Kopf runter machen soll. Ich habe fast zwei Jahrzehnte so einen Unterricht bekommen, den ich selber nicht verstanden habe. Es gibt wirklich kaum Trainer, die sich mit der Anatomie, den Muskelketten und den Bedürfnissen eines korrekt gerittenden Pferdes auskennt und sein Wissen dann auch weiter gibt. Schade! Es sollte der Anspruch eines jeden Trainers sein! Zudem werden durch die Medien Championatsgewinnerbilder gestreut, deren Richter nicht einmal "...natürliche von künstlich erzwungenen Bewegungsabläufen unterscheiden können!" (Zitat Heuschmann,S. 24) So wird die angebliche Anlehnung (=Rollkur) zum Vorbild für viele Turnier- und ambitionierte Freizeitreiter. Viele Bilder in seinem Buch dienen der Schulung des Leserblickes! Beobachtet man Fußfolge, Muskelspannungen und Körperhaltung, sowie Mimik u.v.m., erkennt man schnell, welches Pferd korrekt in Anlehnung geritten wird. - Leider viel zu wenige!

 

Ich kann aus eigener Erfahrung raten, lest euch bitte in vielen Büchern wie dieses, in Blogs oder anderen Foren Wissen für und über euere Tiere an. Besucht viele Seminare mit verschiedenen Ansätzen und Methoden. Mir ist schon bewusst, dass sich viele als Experten betiteln und viel Blödsinn lehren, aber nach gewisser Zeit könnt ihr diese Wissensfrevler schnell enttarnen. Ich finde Ignoranz und Nichtwissen schlimmer, als Fehler zu machen und auszuprobieren. Ich habe auch viele Fehler gemacht und mache bestimmt immer noch welche, aber nun kann ich umso gewissenhafter und kritischer andere Methoden und Ansichten beurteilen und entscheiden, ob ich Sie annehme oder aus meiner Arbeit mit den Tieren raus lasse.

 

Ich bin froh, das Buch endlich gelesen zu haben. Es zeigt nicht nur mit dem Finger in die Wunden, sondern auch auf die Schuldigen und regt jeden Leser zum Nachdenken an. Zusätzlich gibt Herr Dr. Heuschmann in dem Buch sehr erkenntnisreiche und aufklärende Tipps! Ich empfehle dieses Buch als Pflichtlektüre selbst zu lesen und immer wieder in der Arbeit aufzunehmen.


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 Hier könnt ihr noch weitere wertvolle Tipps nachlesen: Gerd Heuschmann

 

Viel Spaß!💫

 

HERZliche Grüße,


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