Positive Eingewöhnung des Hundes im Pferdestall

Hunde in den Pferdestall positiv eingewöhnen

Hunde und Pferde gehören zusammen. So sollten, meiner Meinung nach, auf jeder Reitanlage Hunde mitlaufen dürfen. Für ein friedliches Zusammenleben bedeutet das auch, dass sich die Hunde und ihre Besitzer an gewisse Regeln halten sollten. Welche Regeln es zu beachten gibt und wie man den Hund positiv eingewöhnen kann, habe ich Euch hier kurz zusammengestellt...

Bei der Eingewöhnung mit Kuni hatte ich ein leichtes Spiel. Da Sie von einer irischen Huntingfarm kommt, kennt sie von Geburt an den Stallgeruch, das Hufegeklapper und das Wiehern von Fohlen. Mit unserer Jacki Dame Mel war das ganz anders. Es gab einige Schwierigkeiten zwischen dem erwachsenen Pferd und einer gesetzten, selbstbewussten 12 jährigen Terrier-Dame. Doch nun kann ich euch aus Erfahrung viele Tipps geben und euch bestätigen:

 

Mit viel Geduld, Ruhe und positiver Motivation klappt es! 

 

Als Erstes habe ich mir vom Baumarkt eine Werkzeugbauchtasche für 12 Euro gekauft, in der zwei Fächer eingenäht sind. Das größere Fach habe ich für Pferdeleckerlies, das kleinere für Hundekekse genutzt. Kleines Learning von mir: Auch wenn der Hund besser auf Fleisch- oder Käsewürfel hört, das Pferd schmeckt es auch durch die Trennwand der Taschenfächer hindurch in seinen Leckerlies und verzichtet auf die Belohnung :D

  • Am besten beginnt man mit der positiven Eingewöhnung im Pferdestall im Welpenalter
  • Gerüche, Geräusche und Verhalten der jeweils anderen Spezi erst einmal in Ruhe von der Ferne wirken lassen
  • Auch Fohlen lernen schnell, durch die Gelassenheit der Mutterstute, mit den wuselnden Hunden umzugehen
  • Hunde und Pferde müssen den Menschen als Leittier ansehen
  • Zunächst den Hund angeleint mit in den Stall nehmen und ihm alles zeigen
  • Ich belohne in der ersten Zeit jede kleine positive und aufgeschlossene Reaktion zum jeweiligen anderen Tier
  • Hund in einem gewissen Abstand anleinen und das Pferd putzen. Hund sollte akzeptieren, dass das Pferd nun seine Zeit hat
  • Pferde sollten lernen nicht vor dem Hund weg zu laufen - dazu kann man sich mit einem Helfer den Hund an der Leine und das Pferd an der Longe auf dem Reitplatz langsam nebeneinander bewegen
  • Achtung Hütehunde wollen gern mithelfen und hüten, obwohl sie Sendepause haben sollten, das muss geübt werden
  • Jagdhunderassen sind durch schnelle Bewegung sehr gereizt vorzupreschen, auch das muss an der Leine als erstes abtrainiert werden
  • Hunde dürfen Boxen, Reitplätze, Round Pen, Hallen, Paddocks, Waschplätze oder Weiden niemals oder nur mit Aufforderung betreten
  • ruhende Pferde dürfen nicht gestört werden
  • der Hund MUSS auf ein Abbruchkommando wie z.B. "Stop, Nein, Halt o.ä." in jeder Situation hören
  • der Hund darf keine Pferde, Menschen, Kinder oder andere Tiere anbellen, angreifen, anspringen, in die Fesseln, Hand oder den Schweif schnappen
  • der Hund sollte keinen Pferdemist fressen, da sich im Kot Parasiten oder Medikamente, wie Wurmkuren befinden, die die Darmflora, Nerven oder das Immunsystem des Hundes angreifen, kann zum Tode führen
  • der Hund sollte keine Schmiedeabfälle essen. Auch wenn Sie Hufhorn lieben, erbrechen Sie schnell davon
  • Hunde sollten für Ausritte trainiert werden (siehe Blog-Post: Ausreiten mit Hund)
  • Ponys und Fohlen sind keine Spielkameraden für Hunde
  • beim Trainieren des Pferdes hat der Hund Pause! Man sollte das mit ganz bestimmten Ritualen verknüpfen: anbinden, ablegen, Kauknochen geben u.v.m.
  • Manche Reitanlagen verbieten freilaufende Hunde, sowas finde ich persönlich sehr schade, da die Freizeit wieder zum Stress werden kann, aber aufgestellte Regeln sollte man immer respektieren. Die Stallbesitzer werden ihre Gründe haben.
  • auch auf dem Hof sollte man jederzeit ein Hundegerangel beenden können, ist man vom Pferd nicht in der Lage, muss der Hund im Auto (Achtung Hitzefalle - siehe Blog-Post: Todesfalle Auto), in der Box oder Zuhause bleiben.
  • Hund und Pferd dürfen keinen Stress in der Gegenwart des Anderen empfinden
  • Hunde müssen immer einen gewissen Abstand zum Pferd einhalten (Distanzkreis-Training)
  • Hunde dürfen niemals zwischen den Beinen des Pferdes laufen
  • Pferde dürfen nicht aus anlasslosen Gründen nach dem Hund gretzen
  • Man muss IMMER Vorausschauend und Umsichtig mit den Tieren agieren
  • Andere Pferde sind für den Hund tabu

Ich habe leider miterleben müssen, wie eine Besitzerin ihren Hund auf ihr neues Pferd ohne Vorbereitung und mit der von mir verhassten Aussage "Die klären das schon untereinander!" aufeinander prallen lies.

Ergebnis dieser Begegnung und auch meine Vorhersage: Hund jagt kläffend das Pferd - Pferd schlägt aus - Hund wurde am oberen Augenlid getroffen - Tierarzt - 7 Stiche - Begegnung unvorbereitet missglückt und sehr schwer wieder korrekt und vertrauensvoll Aufbaubar.

 

Da sich viele Pferde und Hunde gern unterordnen und im Umgang mit uns meistens darauf vertrauen, dass wir Konfliktsituationen klären, wird das Gewinnen des Vertrauens zu dem Mensch als Leittier nach oben beschriebener Situation schwierig. Hätte man auch verhindern können, denn beim Pferd zieht der Hund körperlich meistens den Kürzeren!

Dennoch: vertraut auf die Körpersprache der Beiden, versucht immer Jagd- und Fluchttierverhalten beiderlei und unabhängig voneinander zu lesen, greift ein, bevor einer der Beiden vor hat den "Obermacker" zu machen  (denn das seid NUR Ihr :) und gebt euch Zeit, jeweils den richtigen Platz in eurer Rudel-Herde zu finden! Bei uns hat das auch super geklappt :)

 

Bei euch auch? Wie sind eure Erfahrungen? Habt ihr noch andere Tipps?

 

HERZliche Grüße,


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