Pferde anweiden - aber richtig!!!

Pferde anweiden - aber richtig!!! Wann solltest du dein Pferd weiden lassen, wann nicht? Hufrehe, Koliken und Kotwasser vermeiden
SNUUTgrafik: Pferde anweiden - aber richtig!!! Wann solltest du dein Pferd weiden lassen, wann nicht?

Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint und die Flora fängt an sich aus ihrem Dornröschenschlaf zu winden. Die Pferde so schnell wie möglich raus auf die grünen Wiesen! ABER "Halt, Stopp! So einfach geht das nicht. Dinge, die ihr beachten solltet, findet ihr hier...

Jaaaaa die Weiden sind grün, die Pferde luschern jedem Grasbüschel hinterher und nutzen beim Ausritt jede Gelegenheit, die Nasen ins frische Grün zu stecken. Doch der Wechsel von Stallhaltung mit Heufütterung zur Offenstallhaltung ist gerade jetzt mit Vorsicht zu genießen. Durchfall, Hufrehe und lebensgefährliche Koliken können die Folge von zu schnellem Anweiden sein.

 

Da die meisten Pferde seit Herbst letzten Jahres auf Weidegras verzichten mussten und ihre Hauptnahrung Heu oder Heulage war, ist die Umstellung im Organismus des Pferdes eine heilkle Angelegenheit. Durch das grobfaserige Heu haben sich eine Vielzahl an zellulosezersetzenden Bakterien im Verdauungstrakt der Pferde gebildet. So muss sich beim Anweiden die komplexe Bakterienzusammensetzung auf das neue Nahrungsangebot umstellen. Im Frühjahr ist das Gras zwar noch recht nahrstoffarm, sollte aber mit seinen Eiweißen, Kohlenhydrate und Fruktane nicht unterschätzt werden.

Gefahren beim Anweiden der Pferde:

Jetzt im Frühjahr bildet der "erste Weideschnitt" langkettige Kohlenhydrate (Polysaccharide),die den Pflanzen als Energiezwischenspeicher dienen. In Kombination mit dem hohen Fruktan- und Proteingehalts führt der schnelle Futterwechsel im Verdauungstrakt der Pferde zu einer vielzahligen mikrobiellen Besiedelung (Milchsäurebakterien). Dies widerum führt zu einem Absinken des ph-Wertes, welches zum Massensterben von den guten Magen-Darmbakterien zur Folge hat. Die Fäulnisbakterien vermehren sich, dabei werden große Mengen von Toxinen freigesetzt, die über die Darmwand in die Blutbahn geraten. Die Entgiftungsorgane Leber und Niere werden dadurch stark beansprucht und die Wände der Gefäße, insbesondere im Huf können geschädigt werden > Folge: Hufrehe. Heute weiß man, dass der Eiweißüberschuss nicht für die Entstehung von Hufrehe, sondern die Übersättigung an Fruktanen und schwerverdaulichen Stärken (wie auch im Getreide) auslösende Faktoren sind. Starke Blähungen, ausgelöst durch die Fäulnisbakterien, führen zu Bauchweh, schlimmstenfalls zu schweren Koliken beim Pferd. Insbesondere Robustpferderassen und Ponys reagieren sehr empfindlich auf den Futterwechsel. Ein Haflinger beispielsweise mit 450 kg kann in nur 2 Stunden schon ca. 15 kg Weidegras fressen. Warmblütige Pferde haben zwar eine höhere Toleranzgrenze gegenüber Eiweißen, reagieren aber schneller mit Durchfall und Koliken auf abrupte Futterveränderungen. Kotwasser, Durchfall, Hufrehen und lebensbedrohliche Koliken sind die Symptome eines fehlerhaften Anweidens.

Die Fruktane...

  • erhöhen sich bei nächtlichen Temperaturen von unter 8 Grad (Frost Anfang)
  • erhöhen sich bei wenig Wasser im Boden
  • erhöhen sich bei viel Sonnenstunden
  • erhöhen sich bei langem Frost
  • erhöhen sich bei Nährstoffarmen Boden
  • erhöhen sich auf abgegrasten Koppeln
  • hat seine Hochsaison im Mai und Oktober

Anweiden der Pferde – aber richtig:

Die funktionsfähige Darmflora eines Pferdes braucht circa 14 Tage bis 4 Wochen (je nach Individuum), um sich vom Raufutter auf Weidegras umzustellen. Demnach darf man die Anweidezeit nicht mehr als 15 Minuten täglich verlängern. Pferde, die empfindlich sind oder schon mal Hufrehe hatten, sollten noch viel langsamer an den Futterwechsel gewöhnt werden. Auch Pferde mit Stoffwechselerkrankungen wie  Cushing, PSSM oder EMS sollten erst dann angeweidet werden, wenn das Weidegras schon ca. 25 cm hoch ist. Manchmal rät der Tierarzt aber auch ganz von der Weidehaltung ab! Dieses Urteil muss aber immer fachmännisch begründet sein.

 

Vor dem Anweiden der Pferde bitte bachten:

  • vor dem Anweiden immer erst ausreichend Heu füttern, damit der Magen in Gang kommt
  • direkt vor und nach dem Anweiden kein Kraftfutter zufüttern und peu á peu reduzieren
  • ausreichend Wasser auf Weiden zur Verfügung stellen

Tag 1-2:       Nachmittags 15 Min.

Tag 3-4:      Nachmittags 30 Min.

Tag 5-6:      Nachmittags 45 Min.

Tag 7-8:      Nachmittags 60 Min.

Tag 9-10:          Vormittags  15 Min. & nachmittags 60 Min.

Tag 11-14:         Vormittags  30 Min. & nachmittags 90 Min.
3. Woche:         Vormittags 60 Min. & nachmittags 120 Min.
4. Woche:         Vormittags 120 Min. & nachmittags 120 Min.


Wie kannst du das Anweiden unterstützen?

  • Mineralfutter: Durch zuckerhaltige aber nährstoffarme Gräser im Frühjahr, fehlt es den Pferden an Mineral- und Spurenelemente
  • Probiotische Futterzusätze: Übermäßiges Absterben der Darmbakterien vorbeugen
  • Die Kräutermischung Weide-Start  unterstützt den Organismus der Pferde bei der Futterumstellung vom rohfaserreichen und energiearmen Heu auf das fette, energiereiche und fruktanhaltige Gras.

    "Dem Pferdekörper wird bei der Verdauung dieser ungewohnten Nahrung einiges abverlangt. In dieser Zeit ist es besonders wichtig, die Entgiftungsorgane sowie Magen und Darm bei ihrer natürlichen Funktion zu stärken, damit keine Nebenwirkungen auftreten"

  • Die Kräutermischung Huf Kräuter No. 2 -  ist eine Kombination von Kräutern, die auf Hufrehe abzielt. "Schuld an der Entzündung der Huflederhaut sind Störungen des Stoffwechsels, die durch unterschiedliche Faktoren ausgelöst werden können: Übergewicht, EMS, ECS, Vergiftungen, Fütterungsfehler, Fehlbelastungen etc. Die Palette der Auslöser ist lang. Dennoch ist es ungeheuer wichtig, den Auslöser ausfindig zu machen, um ihn abstellen zu können. Gleichzeitig muss der Stoffwechsel wieder in Schwung gebracht werden, die Giftstoffe müssen ausgeleitet, die Entzündung gedämpft, der Säure-basen-Haushalt verbessert und die Durchblutung im Hufbereich gesteigert werden. Hierbei unterstützen unsere Kräuter. Darüber hinaus muss oftmals die Haltung, die Hufbeschaffenheit und die Bewegung optimiert werden."

Herdis von der Krauterie sagte im Interview weiter: "Beim Anweiden ist es wichtig, die Entgiftungsorgane zu stärken, zu entlasten und zu reinigen, da durch die Futterumstellung und vor allem durch das energiereiche Gras mehr Stoffwechselendprodukte entstehen als sonst. Dabei ist wichtig zu beachten, dass nicht nur Leber und Niere Entgiftungsorgane sind, sondern auch der Darm, die Haut und die Lunge. Meist werden nur Leber und Niere entgiftet, was nicht Ganzheitlich genug gedacht ist. Es sollte also mindestens eine Pflanze für jedes dieser Organe gefüttert werden, plus eine Stoffwechselpflanze wie Stiefmütterchenkraut oder Gänseblümchen. Von Ingwer, der ja auch den Stoffwechsel anregt, würde ich allerdings dringend abraten, da dies in Kotwasser enden kann (zu viel Schärfe plus zu viel Energie). Meist ist es hilfreich den Verdauungstrakt mit Pflanzen wie z.B. Pfefferminze, Fenchel und Kümmel anzuregen, damit dieser die Energie besser verdauen kann. In den meisten Fällen hilft diese Anregung paradoxerweise sogar bei einer Überreaktion des Darms, wie Kotwasser. Aber nicht immer: Das muss man letztendlich immer ausprobieren. Grundsätzlich gibt es kein schlechtes Kraut oder eine schlechte Mischung, sondern nur eine schlechte Auswahl in Hinsicht auf die Individualität des Tieres."

 

Ein optimal funktionierender Verdauungstrakt ist der beste Schutz vor Durchfall, Hufrehe oder Kolik. Eine artgerechte und individuell angepasste Fütterung ist A und O für einen gesunden Stoffwechsel. Anfällige Pferde für Hufrehe bedingt durch Rasse, Typ, Genetik, Fettleibigkeit, Arbeits - und Bewegungsmangel sollten gestresstes Gras meiden und nur auf mageren Weiden stundenweise weiden dürfen.

 

So sollte man sich immer gut informieren (weitere Tipps unter Donnerwetteropa hat gesagt, dass...) und wissen welche Futterumstellung zu seinem eigenen Pferd passt. Manchmal ist ein Bluttest günstiger und gewissenhafter, als die Spätfolgen von schlechtem und gedankenlosem Weidemanagements. Wenn dem Anweiden nichts mehr im Wege steht, sagen wir nur:

 

Auf die Weiden, fertig, looooooooooooooooooooos!

 

 HERZliche Grüße & genießt den Frühling,


* Interview und Produktplatzierung mit Herdis von der Krauterie

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Kommentare: 3
  • #1

    Astrid (Samstag, 30 April 2016 21:43)

    Hallo

  • #2

    SNUUT (Samstag, 30 April 2016 22:33)

    Hallo Astrid! :)

  • #3

    Künstl-Meixner (Freitag, 14 April 2017 07:01)

    Danke für den Beitrag!