Alle Jahre wieder: Muss ich mein Pferd eindecken?

SNUUTblog  Ausrüstung für die Abendstunden
Wir sind bestens ausgerüstet - Ihr auch?

Die Pferdedecken Thematik ist - wie vieles in dieser Branche - ein heißes Thema, wo die Meinungen sehr oft auseinander gehen. Ich versuche das Ganze neutral zu betrachten und schneide die Thermoregulation vom Pferd ein wenig an, sodass sich jeder selber weiter Gedanken darüber machen kann. Aber hauptsächlich möchte ich den Leuten ein paar Tipps geben, die ihr Pferd eindecken...

Die einen sagen: "Ihr verweichlicht eure Tiere. Ihr macht sie krank!"

Ich sage: "Du hast kein Wildpferd mehr."

 

Zum Thema "Thermoregulation beim Pferd" gibt es leider nur wenige Studien. Es heißt, dass dafür keine Forschungsgelder zu Verfügung stünden. Unter natürlichen Lebensbedingungen ist das Pferd gegen extreme Temperaturen geschützt. Wie ein Pinguin in der Arktis könnte es Wind und Wetter trotzen, dank seines dichten Fells und einer fettigen Substanz, die die Haare umgibt. Allerdings leben die meisten unserer Pferde nicht mehr wie Wildpferde, sondern sie wurden vom Menschen domestiziert. Ein wenig angepasst an die heutige Zeit wird so auch automatisch in die Thermoregulation eingegriffen. Ich finde es super interessant, allerdings halte ein wenig Abstand von der krassen Einstellung zu sagen, wir machen unsere Pferde krank und lassen sie nicht Pferd sein.

Wer Lust hat kann auf www.vet-tcm.de mehr lesen und sich seine eigene Meinung dazu bilden.

 

Mit dieser Entwicklung unserer Pferde im Hinterkopf können wir nun eben dafür sorgen, dass es unseren Pferden gut geht. Dazu gehört in vielen Fällen, dass wir sie zu Beginn der ekligen Jahreszeit eindecken. Wichtig ist auf sein Pferd zu hören und Zeichen richtig deuten zu können. Denn Du kennst Dein Pferd am Besten!

Hier nun ein paar Tipps ob und wann Du eindecken solltest:

Dabei kannst du dich zunächst fragen, was für ein Typ dein Pferd eigentlich ist: Eher sensibel und bei Wind und feuchtem Wetter unzufrieden, dazu vielleicht noch Sportler und geschoren? Oder ist mein Pferd  eher robust und gut im Fell? Ist es generell sehr empfindlich im Rücken und neigt zu Verspannungen und Klemme-Gefühl beim Reiten? Teddyfell oder eher Kurzhaar?

 

Hast du diese Punkte einmal durchdacht gibt es folgende Möglichkeiten:

  1. Mein Pferd ist unempfindlich, robust, nicht geschoren und hat ein normales, intaktes Fellwachstum zum Winter. Es ist ganz jährlich draußen und schlechtes Wetter macht ihm nichts aus. Dann brauchst du meiner Meinung nach keine Decke! Du tust ihm allerdings auch nicht weh, wenn du ihm in Zeiten von Weltuntergang-Stimmungs-Tagen oder im richtig knackig kalten Winter eine leichte Decke mit oder ohne Füllung auflegst. Ein leichter Schutz an Bauch, Rücken und Nieren bringt dein Pferd gesund in den Frühling.
  2. Mein Pferd ist zwar robust und tagsüber draußen, allerdings geschoren. Dann könntest du zeitig im Herbst mit einer Regendecke anfangen und je nach Witterung und eigener Einschätzung auf eine dicke Decke umrüsten. (Zum Winter auf eine 150-300g Decke wechseln) Optional kann dann noch ein Halsteil ergänzt werden.
  3. Mein Pferd ist etwas sensibel und tagsüber draußen, aber super im Fell. Dann tust du ihm mit einer leichten Regendecke oder 50g auf jeden Fall einen Gefallen.
  4. Der sensible, geschorene und rückenempfindliche Vierbeiner: Eindecken! Und das sehr zeitig. Mit den kühler werdenden Temperaturen kannst du mit einer Regendecke zu ungemütlichen, feuchten Tagen anfangen. Sobald die Tage kürzer, kälter und nasser werden musst Du dein Sensibelchen warm anziehen um Verspannungen vorzubeugen. Den Winter dann ruhig mit einer dicken Decke durchstehen.
  5. Mein Pferd steht drin: Offenstall oder (zügige) Box- hier kannst du je nach Fell eine Decke auflegen.

Ob deinem Pferd mit der Decke zu warm oder zu kalt ist lässt sich einfach feststellen: 

Zu warm: im drastischen Fall ist dein Pferd nass geschwitzt oder hat etwas angelaufene Beine. 

Zu dünn: ein bekanntes Zeichen ist das Hochstellen des Fells unter der Decke. (wie Gänsehaut). Fasst auch einfach mal unter die Decke. Ist das Pferd kalt am Rücken würde ich aufrüsten. 

Und als letztes könnt ihr an den Ohrenspitzen erfühlen ob eventuell auch aufgerüstet werden sollte. (Kalte Spitze- eventuell frierendes Pferd) 

 

Ich möchte betonen, dass ich weiß, dass es wirklich viele verschiedene Meinungen gibt und ich Euch nur meine Erfahrungen aus Kundengesprächen mitteilen möchte. Daraus habe ich diese kleine Anleitung gebaut. Es ist nichts Falsches daran sein Pferd im Winter einzudecken. Wenn Du allerdings einen Teddy hast der noch nie eine Decke drauf hatte, dann tu es auch jetzt nicht! Jeder Einzelne weiß am Besten was sein Pferd braucht. 

 

Noch ein kurzes Beispiel: Wenn ein Kunde in dieser Jahreszeit zu mir kommt und sagt: Mein Pferd ist so dünn und schlecht im Fell kommen wir ja mit der „natürlichen Thermoregulation“ nicht weiter. Vielleicht haben wir es dann soweit getrieben, dass wir das Pferd kaputt gemacht haben, aber von dieser Aussage nehme ich großen Abstand!

In diesem Fall geht es 1. Um das Alter des Pferdes, 2. Um die Gesundheit im Allgemeinen, 3. Um die Haltungsform (Box/Offen/Koppel etc.) und 4. Auch um Futterverfügbarkeit.

Mit der Beantwortung der Frage des Alters steht meine Empfehlung meistens dann schon fest: Alte Pferde eindecken! Aber auch hier: es gibt so viele Fälle in denen das auch nicht notwendig ist!

Also, im Fall eines Seniors: Dein Pferd hat einen hohen Energiebedarf um Körperwärme aufrecht zu erhalten, vielleicht ein wenig Probleme mit den Zähnen, wodurch die Futteraufnahme und vor allem die daraus resultierende Verwertung gestört sein kann. Diese Energieaufwendung führt zur Störung des Stoffwechsels was eine Abmagerung oder auch eine Störung des Fellwachstums zur Folge haben kann.

Ende vom Lied: Die Decke KANN dabei helfen, dass dein Pferd nicht die ganze Energie, die ihm zu Verfügung steht, in den Wärmehaushalt stecken muss.

Ergänzend kann dann noch ein Blick auf Futter, Mineralhaushalt und vor allem die Zähne geworfen werden. 

 

Versuche dein Pferd einmal aus einer anderen Perspektive zu betrachten.

 

Ich kann euch sagen, dass für mich die Thematik ums Eindecken klar ist: Unsere Pferde sind nicht mehr wie damals und ja- manche sind wirklich empfindlich geworden. Aber nun liegt es eben auch an uns sich zu kümmern. Ich sehe meinem Pferd an, wenn er unzufrieden ist und lieber geschützt sein möchte und weiß, wann er friert. Darauf nehme ich Rücksicht und handle. 

 

Liebe Grüße,

 

Jule


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Kommentare: 2
  • #1

    Tina (Sonntag, 31 Januar 2016 21:00)

    Hallo Jule,
    nun ist der "harte" Winter fast schon vorbei, aber kannst du mir noch sagen, welche Varianten von Decken und welche Dicken (Gramm) es überhaupt gibt?
    Wäre hammer nett!
    Danke, Tina.

  • #2

    SNUUT (Donnerstag, 04 Februar 2016 10:44)

    Hallo :)
    Von der nicht gefütterten Regendecke bis zum "Wintermantel" gibt es eigentlich alle Zwischenstufen!
    Das ganze ist auch immer Hersteller abhängig. Aber von 50g bis 400g ist alles dabei.
    Ich gehe meistens mit BUCAS Decken, die haben enorm viele Vorteile! (Super Quali, wenig Nähte und meiner Meinung nach liegen sie perfekt und zwicken nicht am Widerrist) Da hast du echt viele Auswahlmöglichkeiten.
    Die Decke, die Monti auf dem Bild, auf hat ist seine Ersatzdecke mit 300g von Schockemöhle.
    Zur Zeit trägt er noch immer das SMARTEX EXTRA Modell von BUCAS. Wenn das Wetter so bleibt bekommt er das etwas dünnere Modell auf.
    Schönen Tag!
    J.